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Ungarn bleibt attraktiv für deutsche Unternehmen

Ein Jahr nach dem EU-Beitritt erhält Ungarn von den deutschen Investoren im Lande zwar recht gute Noten, allerdings wird der Blick auf den Investitionsstandort kritischer. Dies liegt unter anderem am zunehmenden globalen Wettbewerb um Kapital, aber auch an hausgemachten Problemen der ungarischen Wirtschaftspolitik.



Für die Hälfte aller deutschen Investoren in Ungarn hat nach der jüngsten Stimmungsumfrage der Deutsch-Ungarischen Industrie- und Handelskammer (DUIHK) der EU-Beitritt eindeutig positive Auswirkungen gehabt, lediglich vier Prozent beklagen negative Folgen. Dies verwundert nicht angesichts der guten Geschäftslage der deutschen Unternehmen im Lande, auch wenn die Erwartungen für 2005 etwas gedämpfter sind. Dennoch: nach deutschen Maßstäben gibt es kaum Grund zur Klage. Rund die Hälfte aller Firmen rechnet in diesem Jahr mit steigenden Gewinnen, deren erwartete Höhe mit 12% die meisten deutschen Unternehmern eigentlich zum sofortigen Umzug an die Donau bewegen müsste.

Aber obwohl Ungarn nach wie vor ein attraktiver Standort ist, wird derzeit häufiger Kritik an den Rahmenbedingungen laut. "Gerade in Bereichen, die für die Investoren besonders wichtig sind, wird der Blick auf die Situation in jüngster Zeit kritischer", meint Wolfram Klein, Geschäftsführer der DUIHK. Klassische Standortvorteile wie niedrige Arbeitskosten, relativ flexible Arbeitsmärkte, Qualifikation, Leistungsbereitschaft und Produktivität der Arbeitnehmer werden nach wie vor positiv bewertet. Selbst die Verfügbarkeit und Qualität lokaler Zulieferer, vielfach in der öffentlichen Diskussion bemängelt, ist der Umfrage zufolge besser als ihr Ruf.

Sorgen bereiten den Unternehmen hingegen vor allem das Steuersystem und die Bürokratie. Dazu haben laut Klein vor allem Versäumnisse der ungarischen Wirtschaftspolitik der letzten Jahre beigetragen. "Die vielfach versprochene Reform der Verwaltung hat bisher kaum für die Unternehmen spürbare Ergebnisse gebracht, das erst im Mai verabschiedete Gesetzespaket zur Entschlackung des Steuersystems ist ein richtiger, aber keineswegs ausreichender Schritt", so Klein. Noch verheerender auf die Stimmung der Unternehmen hat sich die Umsatzsteuer-Affäre ausgewirkt. Im Herbst 2004 hatte der damalige Finanzminister Tibor Draskovics die verschärfte Prüfung und Verzögerung von Vorsteuererstattungen veranlasst, was den Firmen nicht nur Ärger und Mehraufwand, sondern in einigen Fällen sogar erhebliche Liquiditätsprobleme einbrachte. Das Finanzministerium hat die umstrittenen Regelungen inzwischen weitgehend entschärft, aber der Schaden für die Glaubwürdigkeit der unternehmerfreundlichen Rhetorik der sozialistischen Regierung ist enorm.

Solche wirtschaftpolitischen Missgriffe werden von den Investoren angesichts alternativer Standorte viel kritischer gesehen als vor wenigen Jahren, als Ungarn noch der Musterschüler unter den Reformländern war. Der DUIHK-Umfrage zufolge würden heute zwar vier von fünf Unternehmen wieder in Ungarn investieren, aber immerhin auch jedes fünfte würde ein anderes Land vorziehen. Dieser Anteil ist etwas höher als im vergangenen Jahr, und liegt weit über dem Wert, den eine ähnliche Umfrage in der Slowakei ergab: dort wollten gerade einmal 8% der deutschen Investoren ein anderes Land wählen.

Allerdings scheint die verbreitete Lust an der pauschalen Regierungskritik in Ungarn die Ergebnisse etwas zu verzerren. "Im direkten Vergleich mit anderen Zielländern zeigt sich, dass die konkreten Vorteile anderer Investitionsstandorte oft weit weniger gravierend sind, als häufig angenommen", erklärt der Geschäftsführer der DUIHK. "Die Slowakei, China, Tschechien und Polen bieten den Befragten zufolge zwar leicht bessere Investitionsbedingungen als Ungarn, aber die Unterschiede sind bei weitem nicht so ausgeprägt, wie dies die öffentliche Diskussion zuweilen vermuten lässt." Der gegenwärtig viel umworbenen Ukraine werden gegenüber Ungarn sogar Nachteile bei den Standortbedingungen nachgesagt.

Die eher zurückhaltende qualitative Bewertung der alternativen Zielländer erklärt Klein vor allem aus der in der politischen Diskussion häufig vernachlässigten Komplexität von Investitionsentscheidungen. "Arbeitskosten sind nur einer unter zahlreichen Entscheidungsfaktoren, andere sind z.B. die Rechtssicherheit und die Marktpräsenz vor Ort. Gerade letzteres dürfte bei Zielländern wie China oder der Ukraine andere noch bestehende Standortmängel kompensieren und somit den starken Drang in diese Märkte erklären."

Die Ergebnisse werden vielleicht auch die ungarischen Wirtschaftspolitiker etwas beruhigen: eine massenhafte Abwanderung von Investoren in die nahegelegenen neuen EU-Mitglieder Slowakei, Polen oder Tschechien dürfte eher die Ausnahme bleiben, da weder bei den Kosten noch bei den allgemeinen Standortbedingungen dramatische Unterschiede bestehen. "Dies kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass neuem Kapital durchaus alternative Standorte zur Verfügung stehen", so Wolfram Klein. "Die Position des Musterschülers muss in der Wirtschaft ständig neu unter Beweis gestellt werden, ansonsten wird man unversehens zum Sitzenbleiber."

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